© Julia Weißenberg

Julia Weißenberg (*1982), Bergisch Gladbach

NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen (2020)

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2020 wurde an Julia Weißenberg vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Heike Ander (Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin, Kunsthochschule für Medien, Köln), Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn) und Nico Joana Weber (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2018). Die Jury hat die Stipendiatin aus 62 Bewerbungen ausgewählt.

Begründung der Jury

Welche Erzählungen liegen unter den Oberflächen von Architekturen, Objekten, Produkten, die uns tagtäglich umgeben? Welche Geschichten sind darin verwoben? Welche Politiken des gesellschaftlichen globalen Miteinanders verbergen sich hinter dem Schein des Äußerlichen? Julia Weißenberg erforscht diese Politiken in ihren Werken mit unterschiedlichsten Medien und Formaten und legt sie offen. Es sind die Geschichten von Rohstoffen, die wir in Form von Kleidung oder technischem Gerät tagtäglich am Körper tragen und die, in ihrer Reinform betrachtet, globale Abhängigkeitsverhältnisse und Handelswege offenbaren. Es sind die Erzählungen von Marken und Produkten, die sich als unsichtbare Schichten über unsere Wahrnehmung und unsere Körper legen. Und es sind die Architekturen, die in ihrer Verortung in Raum und Zeit Utopien und Weltsichten manifest werden lassen. Julia Weißenberg bricht diese Oberflächen mit gezielten Interventionen auf und lädt uns ein, genauer hinzusehen. 

Auch in ihrem Projekt „The Habitat“, mit dem sich Julia Weißenberg auf das Stipendium für Medienkünstlerinnen beworben hat, blickt die Künstlerin hinter die Kulissen zeitgenössischer Architekturen und fragt danach, wie sich verschiedene Formen von Arbeit in den Formen unseres Wohnens spiegeln. Konkret vergleicht sie hier die Lebensräume der „digitalen Nomaden“ mit denen chinesischer Wanderarbeiter in sogenannten „Urban Villages“. Während erstere ihren Wohnort selbst nach eigengesetzten Kriterien bestimmen und das Leben aus dem Koffer als den Luxus der Freiheit eines westlichen Lebensstils begreifen, sind die anderen Spielball übergeordneter Machtverhältnisse und zu einem Leben und Wohnen in einem dauerhaft temporären Zustand zwischen Abriss und Neuanfang verdammt. Wie lässt sich unter diesen jeweiligen Verhältnissen und in den dafür vorgesehenen Architekturen ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Identität herstellen, und welche Verbindung müssen unsere menschlichen Körper hierfür mit den architektonischen Körpern eingehen? Welche Bedeutung haben diese Kategorien überhaupt noch für ein modernes Nomadentum? Und gibt es ein Recht auf so etwas wie Heimat? Wir freuen uns, mit dem Stipendium für Medienkünstlerinnen des Landes NRW Julia Weißenberg dabei zu unterstützen, dieses Projekt umzusetzen, und sind gespannt auf die neuen Lesarten, die sie uns dadurch eröffnen wird.

Tasja Langenbach für die Jury

Julia Weißenberg (*1982 in Bergisch Gladbach) hat an der FH Düsseldorf sowie der Kunsthochschule für Medien Köln studiert und dort 2012 ihr Studium abgeschlossen. 

Weitere Informationen auf der Website der Künstlerin.