„CITIZENFOUR“ – Gespräch und Film

Donnerstag, den 20. November 2014, Podiumsdiskussion um 18:00 Uhr, Film um 20:00 Uhr

Kino im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund

Veranstalter: Büro medienwerk.nrw
 
Zum Gespräch:
Das Büro medienwerk.nrw veranstaltete am 20. November 2014 im Kino des Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität ein Gespräch zu Fragen der Disziplinierung, Kontrolle, Überwachung und Transparenz durch vernetzte Medien. Anlass war die Vorführung des Dokumentarfilms CITIZENFOUR der US-amerikanischen Regisseurin und Journalistin Laura Poitras. Poitras gehört gemeinsam mit dem Journalisten Glenn Greenwald zu den ersten Personen, die durch den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter und „Whistleblower“ Edward Snowden Einblick in die geheimen Überwachungsprogramme der NSA (National Security Agency) erhielten. Der hochspannende Film erzählt aus nächster Nähe die Geschichte dieser Enthüllungen, die weltweit Schlagzeilen machten und in Europa zu einer öffentlichen Debatte über die Konsequenzen von Digitalisierung und Vernetzung führten.
 
Vor der Filmvorführung diskutierten Dr. Inke Arns, Künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVerein (Dortmund), Prof. Dr. Astrid Deuber-Mankowsky, Professorin am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, und Stephan Urbach, Netzaktivist und Autor im Kontext digitaler Kultur, über verschiedene Fragen, die sich mit den Snowden-Enthüllungen verknüpfen. Besonderes Augenmerk lag auf der Analyse aktueller Entwicklungen im Bereich der digitalen Kultur wie z.B. die drastisch zunehmende Kommerzialisierung und Überwachung im Netz sowie Formen der Emanzipation, des Widerstands und der „Datenmündigkeit“ durch Modifizieren, Reparieren, Umnutzen und Hacken von Hard- und Software. Die unterschiedlichen Perspektiven der Panelisten aus den Kontexten Medienkunst, Medientheorie und Aktivismus ermöglichten eine Einordnung der netzpolitischen Diskussion in einen gesamtgesellschaftlichen und ästhetischen Kontext.
 
Fragen, die u.a. verhandelt wurden:
 
Wie lassen sich Phänomene wie die allgegenwärtige „flüchtige Überwachung“ (Zygmunt Bauman) und Big Data beschreiben? Welche technologischen Utopien (und Dystopien) verknüpfen sich mit den neuen Formen der Datenverarbeitung und -analyse? Wie schreiben sich Machtverhältnisse in Medien ein? Wie kann Unsichtbares in der Kunst sichtbar gemacht werden? Welche Bilder finden wir, um die Funktionsweisen von „postvisuellen Medien“ wie z.B. Algorithmen besser zu verstehen? Wie reagieren aktuelle Projekte im Kontext Medienkunst und digitale Kultur auf die aktuelle Diskussion? Und auf welche Weise lässt sich ein kritisches Bewusstsein für die Kommerzialisierung und Überwachung im Netz schaffen? Wie kann dieses Wissen in ein kritisches Handeln beim alltäglichen Umgang mit vernetzten Medien übersetzt werden?

Die Gesprächsveranstaltung stand in einer Reihe von Aktivitäten des medienwerk.nrw, die sich zum Ziel setzten, in der Region die Diskussion über aktuelle Tendenzen im Kontext Medienkunst und über die ästhetischen wie gesellschaftlichen Konsequenzen von Digitalisierung und Vernetzung zu fördern. Gleichzeitig bereitete die Veranstaltung thematisch die internationale, mehrtägige Konferenz ‚Every Step You Take‘ – Kunst und Gesellschaft im Datenzeitalter | 12. – 15 November | Dortmund vor, die das Büro medienwerk.nrw 2015 in Kooperation mit vielen verschiedenen Institutionen und KünstlerInnen in Dortmund durchführte.

Moderation: Fabian Saavedra-Lara (Büro medienwerk.nrw) und Katharina Busch (Kunsthistorikerin)

 
Zum Film: CITIZENFOUR, USA 2014, Regie & Kamera: Laura Poitras
Mit: Edward Snowden, Glenn Greenwald, William Binney u.a.
OmU, 107 Min., FSK ab 6
 
Im Januar 2013 erhält die Filmemacherin Laura Poitras verschlüsselte Emails von einem Unbekannten, der sich „Citizen Four“ nennt und Beweise für illegale verdeckte Massenüberwachungsprogramme der NSA und anderer Geheimdienste in Aussicht stellt. Im Juni 2013 fliegen Laura Poitras und der Journalist Glenn Greenwald nach Hongkong, um sich mit dem Unbekannten zu treffen. Es ist Edward Snowden. CITIZENFOUR ist ein Thriller aus der Wirklichkeit, in dem sich die dramatischen Ereignisse Minute für Minute direkt vor unseren Augen entfalten – die atemberaubend spannende Geschichte über den waghalsigen Schritt eines jungen Whistleblowers, eindringlich, unbequem und von großer politischer Sprengkraft.

Der Film ist bereits die dritte Dokumentation der US-Amerikanerin über die Zeit nach den Anschlägen des 11. September 2001 und den daraus entstandenen Krieg gegen den Terror. Mit MY COUNTRY, MY COUNTRY war sie für einen Oscar nominiert. Mit THE OATH gewann sie beim Sundance Festival. 

CITIZENFOUR ist ein Film, der lange nachwirkt. Laura Poitras gelingt es, die Totalität der modernen Überwachung geradezu physisch erfahrbar zu machen. Zugleich zeichnet sie das Psychogramm eines Menschen, der ohne Kompromisse Zivilcourage lebt. CITIZENFOUR ist einer der ganz wenigen Dokumentarfilme, die nicht nur politisch hoch brisant sind, sondern auch als Kunstwerk tief beeindrucken.“ (Claas Danielsen, Festivaldirektor DOK Leipzig)
 
Das Büro medienwerk.nrw wurde gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Träger des Büros: Hartware MedienKunstVerein, Dortmund.

Kontakt:

info@medienwerk-nrw.de
www.medienwerk-nrw.de