Nico Joana Weber (*1983), Bonn

NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen (2017)

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2018 wurde an Nico Joana Weber vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Kuratorin und künstlerische Leiterin des HMKV, Dortmund), Pauline M’Barek (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2017) und Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn). Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 56 Bewerbungen ausgewählt.

Begründungen der Jury

In ihren Arbeiten forscht Nico Joana Weber entlang dichotomisch gedachter Strukturen wie Zentrum – Peripherie, Architektur – Natur, Innen – Außen und überführt sie in einen Zustand des Hybriden. Oder vielmehr: sie seziert das diesen Strukturen bereits immanent Hybride und legt es offen. Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen sind oftmals architektonische Körper, an und in denen sich Narrative historischer und kultureller Aneignungs- und Wandlungsprozesse ablesen lassen. So vollzieht Nico Joana Weber beispielsweise in Arbeiten wie „Monstera Deliciosa“ (2018) oder „Unstable Landscape“ (2016) nach, wie sich westlich geprägte Architekturen in der tropischen Umgebung Südamerikas verorten. Die Architekturen werden hier nicht allein als Ausdruck der Dominanz einer Kultur und ihrer Technik gegenüber einer anderen gezeigt. Vielmehr wird die Verletzlichkeit dieser Gebäude offen gelegt, die sich als Fremdkörper gegenüber den lokalen Verhältnissen behaupten müssen. 

Im Rahmen des hier vergebenen Stipendiums will Nico Joana Weber ihr Projekt „Hybrid Moments“ (AT) weiter voranbringen. Das Projekt nähert sich der kolonialen Vergangenheit Nigerias über die unterschiedlichen architektonischen Stile, die dort als Erbe zum einen der britischen Kolonialisierung und zum anderen des von Nigeria ausgehenden Sklavenhandels der Portugiesen in die damalige Kolonie Brasilien heute noch zu finden sind. Zentral sind hierfür sowohl die realisierten Entwürfe von Architekten des Department of Tropical Architecture, das sich 1955 – 1970 an der Architectural Association in London formiert hatte, als auch die sogenannten Brazilian Houses, die von aus Brasilien zurückgekehrten ehemaligen Sklaven in Lagos entworfen wurden. Architektur wird hier nicht nur als Manifestation globaler historischer Prozesse und als hybrider kultureller Baukörper erlebbar, in dem Einflüsse aus Zentrum und Peripherie gleichberechtigt ineinanderfließen. Sie wird zugleich als ein im Verfall begriffenes Kulturgut, das im Übergang zwischen Moderne und Gegenwart verloren zu gehen droht, dauerhaft dokumentiert. Wir sind sicher, dass Nico Joana Weber in ihren Bildern und der späteren installativen Umsetzung im Raum überzeugende Mittel und Wege der Darstellung für diese komplexen Prozesse finden wird und freuen uns daher, sie mit dem Stipendium für Medienkünstlerinnen des Landes NRW bei diesem ambitionierten Projekt unterstützen zu können.

Tasja Langenbach für die Jury

Nico Joana Weber (*1983 in Bonn) arbeitet in ihren Werken mit Video, Fotografie und multimedialen Rauminstallationen. Sie hat Fine Art and History of Art am Goldsmiths College in London studiert und 2013 ihr Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln abgeschlossen.

Weiter Informationen auf der Website der Künstlerin.