Vanja Smiljanic

Das Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkünstlerinnen 2019 wurde an Vanja Smiljanic (*1986, Belgrad) vergeben.

Mitglieder der dreiköpfigen Jury waren Dr. Inke Arns (Kuratorin und künstlerische Leiterin des HMKV, Dortmund), Pauline M’Barek (Künstlerin und NRW-Medienkunst-Stipendiatin 2017) und Tasja Langenbach (Kuratorin und künstlerische Leiterin der Videonale, Bonn). Die Jury hat die Stipendiatinnen aus 56 Bewerbungen ausgewählt.

Begründungen der Jury

Vanja Smiljanic interessiert sich für spekulative Narrationen, feministische Science Fiction und einen neuen Materialismus, der das Physische mit dem Jenseitigen verbindet. Seit 2010 setzt sie sich mit der neuen religiösen UFO-Bewegung „Cosmic People“ auseinander. Nach vielen erfolglosen Versuchen wurde Smiljanic 2013 schließlich Mitglied und bezeichnet sich heute selbst als „Senior Architect“ der „Library of Light“ der „Cosmic People“, also des Archivs, deren Inhalte sie ‚von innen heraus’ zu verändern beginnt. In Lecture-Performances berichtet sie von dieser (subversiven) Tätigkeit. Vanja Smiljanic reflektiert aus einem ambivalenten Innen heraus über ihr Sujet – und lässt in neuartigen Live-Formaten eine interessierte Öffentlichkeit an ihrer künstlerischen Forschungsarbeit teilhaben.

Im Rahmen des Stipendiums wird Vanja Smiljanic an ihrem experimentellen Dokumentarfilm Herland arbeiten. Dazu wird sie mit Mitgliedern der „neuen religiösen Bewegung“ „Unarius“ zusammenarbeiten, einem religiösen UFO-Kult, der 1954 im kalifornischen El Cajon (USA) gegründet wurde. Wie in früheren Projekten versucht die Künstlerin, die von dieser Gruppe entwickelten „unwissenschaftlichen“ Praktiken als alternative Methoden kritischen Denkens einzusetzen. Bei Unarius interessiert sich Vanja Smiljanic insbesondere für die dort praktizierte „Past Life Therapy“. Diese deutet die Künstlerin um in eine „Choreografie des Werdens“, die zu einem „trans-persönlichen Zustand“ führen soll. Im Zentrum des Films wird Billie Stafford stehen, eine 78-jährige Frau, die in ihren früheren Leben angeblich u.a. Leonardo da Vinci, eine illegitime Tochter von Maria Theresia von Österreich und Charlotte Perkins Gilman war. Charlotte Perkins Gilman (1860-1935) war eine utopische feministische Autorin und eine intellektuelle Anführerin der amerikanischen Frauenbewegung. Ihr Buch Herland (1915) schildert eine fiktive, nur aus Frauen bestehende Gesellschaft, die frei von Krieg, Gewalt und Herrschaft ist. Ausgehend von Interviews mit Stafford/Gilman wird Vanja Smiljanic ein experimentelles Dokumentarformat entwickeln, das die Betrachter*innen auf eine Reise in die Geschichte feministischer und anarchistischer Science Fiction, Cyberfeminismus und Tech Noir mitnimmt.

Dr. Inke Arns für die Jury

Vanja Smiljanic (*1986 in Belgrad) ist Bildende Künstlerin und Performancekünstlerin. Nach Studien der Bildenden Kunst an der Faculdade de Belas Artes Lisboa, Universidade de Lisboa (PT), einem M.A. in Künstlerischer Forschung am Dutch Art Institute, Arnhem (NL) und Advanced Performance and Scenography Studies in Brüssel (BE) schließt sie derzeit ihr Studium der Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln ab.

Weitere Infortmationen zur Künstlerin auf ihrer Website.

Die Arbeit „Orion Debacle“ wurde im April 2019 als Video des Monats beim Hartware MedienKunstVerein gezeigt.