Über Medienkunst

Das medienwerk.nrw begreift Medienkunst als eine zeitgenössische ästhetische Praxis unter Verwendung zeitbasierter Medien. Seit den Anfängen der Videokunst in den 1960er Jahren und besonders seit den 1990er Jahren durch die Einbeziehung der Neuen Medien – insbesondere des Internet – reflektiert die Medienkunst die globale Medialisierung der Gegenwart. Durch künstlerische Aneignungen von Technologien entstehen Reflexionen der medialen Konstruktion von Wirklichkeit und Möglichkeiten für eine offene Diskussion über die ästhetischen, politischen und kulturellen Konsequenzen dieser Medialisierung. Im Unterschied zu anderen künstlerischen Disziplinen ist die Medienkunst durch ihre mediale Verwandschaft zu Alltags- und Arbeitspraktiken der digitalen Kultur in besonderer Weise dazu geeignet, künstlerisch reflektierte Beiträge zu zeitgenössischen Diskursen über die Konsequenzen des technologischen Fortschritts in Wechselwirkung mit anderen, miteinander verzahnten Systemen wie der Gesellschaft, Politik, Ökonomie, Ökologie, Kultur und Wissenschaft zu leisten.
 
Seit den Pioniertagen der Neuen Medienkunst („New Media Art“), die sich seit den 1990er Jahren digitaler, vernetzter Medien als künstlerische Gestaltungsmittel bedient, hat sich der Fokus in ihrer ästhetischen Praxis verschoben: Ging es anfangs noch darum, Möglichkeiten und Grenzen der Neuen Medien künstlerisch auszutesten, so geht es heute nicht mehr um die bloße Aneignung von immer neuen technologischen Innovationen, sondern zunehmend um eine Befragung der Bedingungen ihrer Produktion, Verbreitung und Nutzung. Im Mittelpunkt steht oftmals eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von Digitalisierung und Vernetzung, die auch die Vermittlung von Kultur und die Produktionsweisen von Kunst betreffen. Durch die kritische Auseinandersetzung mit ihren eigenen Produktionsbedingungen wirkt die Medienkunst in diesem Zusammenhang als ein Kontrapunkt zur fortschreitenden Kommerzialisierung der Neuen Medien.
 
Gemeinsames Anliegen vieler Arbeiten und Projekte der zeitgenössischen Medienkunst ist der Versuch, mit dezidiert künstlerischen Methoden ein Verständnis für vielschichtige gesellschaftliche, politische, ökonomische oder ökologische Zusammenhänge herzustellen. In einer globalisierten und durch Technologie beschleunigten Welt, die auf der Interaktion dieser Systeme basiert, sensibilisiert die Medienkunst den Blick für die Gegenwart und übersetzt Komplexitäten mit künstlerischen Mitteln in eine neue Form. In ihrer ästhetischen Praxis, die sich Digitalisierung, Vernetzung und den damit einhergehenden weitreichenden Wandel der Produktions- und Rezeptionsgewohnheiten von Kunst und Kultur zu eigen macht, visualisiert, reflektiert und kommentiert die Medienkunst diese Zusammenhänge.
 
Hierbei agiert die Medienkunst interdisziplinär: Sie weist Schnittmengen mit Bereichen wie der bildenden Kunst, der Performance, der Musik, dem Theater und Film auf. Weitere wichtige Berührungspunkte ergeben sich mit Bereichen wie der kulturellen Bildung und Vermittlung von Kunst und Kultur sowie der Kreativwirtschaft, die ebenfalls in hohem Maße durch den technologisch/medialen Wandel der letzten 20 Jahre geprägt worden ist.